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Diakonie sorgt sich um Zukunft von Jugendwerkstätten

Die Diakonie in Niedersachsen sorgt sich um die Zukunft der 97 Jugendwerkstätten im Land. Als größter Träger betreibt sie 22 der Einrichtungen, die Jugendliche beim Einstieg in den Beruf unterstützen. Bisher würden die Jugendwerkstätten zu einem hohen Anteil aus Geldern des Europäischen Sozialfonds finanziert, sagte Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke am Montag in Hannover. Unter anderem durch den Brexit sei zu erwarten, dass ab 2021 erheblich weniger Geld zur Verfügung stehe.

Zwischen 2014 und 2020 erhalten die Jugendwerkstätten und die "Pro-Activ-Center", die ebenfalls Jugendliche unterstützen, nach Diakonieangaben insgesamt 76,1 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und 82,5 Millionen Euro Landesmittel. Nötig sei eine dauerhafte Förderung durch das Land, die von den EU-Geldern unabhängig sein müsse, forderte Lenke.

"Wir habe die große Sorge, dass wir sonst Jugendwerkstätten haben werden, die wirtschaftlich die Grätsche machen oder denen die Leute weglaufen", sagte Lenke. Obwohl es sie sei mehr als 30 Jahren gebe, erhielten Jugendwerkstätten nach wie vor nur eine Projektförderung. Dadurch werde es zunehmend schwer, Personal zu finden, das zumeist nur befristet angestellt werden könne. Sozialarbeiter seien mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt umworben.

Bei einer Fachtagung am 22. November will die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen über die Perspektiven der Jugendwerkstätten diskutieren. Erwartet werden auch Sozialministerin Carola Reimann (SPD) und eine Vertreterin des niedersächsischen Ministeriums für Europaangelegenheiten. "Die Brisanz des Themas ist allen bewusst", unterstrich Lenke.

Diakonie-Fachreferent Matthias Kreimeyer fügte an, für Jugendliche in besonderen Problemlagen böten die Jugendwerkstätten individuell zugeschnittene Hilfen, zu denen es kaum Alternativen gebe. In Niedersachsen waren den Angaben zufolge im Oktober mehr als 24.000 Jugendliche unter 25 arbeitslos gemeldet. Die Jugendwerkstätten richten sich mit der Vermittlung von Praktika, sozialer Beratung und Unterricht etwa in verschiedenen Berufsfeldern an junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren.

Zunehmend nähmen auch Geflüchtete das Angebot wahr, sagte die Leiterin der Jugendwerkstatt "Roter Faden" in Ronnenberg bei Hannover, Sandra Heuer. Insgesamt rund 20 Prozent der Jugendlichen begännen im Anschluss eine Arbeit oder Ausbildung. Ein Erfolg sei es aber auch, wenn junge Menschen motiviert würden, ihre Schulden zu bewältigen oder eine notwendige Therapie zu beginnen. "Es geht darum, den nächsten Schritt zu gehen", sagte Heuer. Wichtig sei, dass die Hilfe früh ansetze. "Wer mit 20 aus dem System raus ist, kommt mit 40 nicht wieder rein." (2113/12.11.18)

Quelle: epd

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25.11.2010

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